» » Bilinguale Erziehung - mehr als nur eine Muttersprache
erziehung 27. Januar 2016 0

Tipps & Ratschläge


Vielleicht gehörten mehrsprachige Familien zu Omas Zeiten noch zur Kategorie „Exoten“. Im Zeitalter der Globalisierung gibt es mittlerweile immer mehr Familien, welche durch verschiedene Kulturen geprägt sind. Die Gründe dafür sind genauso unterschiedlich, wie ihre kulturelle Vielfalt. Wir erzählen in diesem Beitrag, wie Kinder von selbst andere Sprachen lernen.

Multikultureller Alltag

patchworkZweisprachig aufwachsende Kleinkinder beginnen oft etwas später zu sprechen. Manchmal entspringen ihnen die ersten Worte erst kurz vor dem zweiten oder dritten Geburtstag. Aber bereits ab der Geburt können sie Dank eines frischen Instinkts zwischen ihren verschiedenen Muttersprachen unterscheiden. Ein wacher Hörsinn unterstützt den Nachwuchs dabei kräftig. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ungeborene Babys bereits während der Schwangerschaft ihre Umwelt mit kulturellen Gegebenheiten intensiv wahrnehmen. So ist ihr Hörsinn bereits ab der 21. Schwangerschaftswoche vollständig ausgebildet und lässt sich mit verschiedenen Sprachmelodien verwöhnen. In manchen Familien werden zwei oder mehrere Muttersprachen gesprochen. Es kann auch sein, dass Kinder zusätzlich bei der Tagesmutter, in Kita oder Schule eine weitere Sprache sprechen. All diese verschiedenen Konstellationen sind Teil der kindlichen Lebenswelt. Für Außenstehende klingt es vielleicht verrückt, aber Kinder lernen auf diese Weise verschiedene Sprachen ganz natürlich zu verstehen.

Kindliches Lernen mit System

Bereits seit 1913 lobt die Fachliteratur der Linguistik das „Prinzip von Ronjat“. Es hat sich bewährt, dass jede Person ihre eigene Sprache spricht. Wenn beispielsweise Papa aus England kommt und die Mama aus Vietnam, so lernt das Kind beide Sprachen am Besten, wenn es von beiden jeweils in der Muttersprache angesprochen wird. Vielleicht wird zusätzlich am gemeinsamen Familientisch Deutsch gesprochen, weil die Familie gerade hier in Deutschland lebt.

Für das kindliche Verständnis ergibt sich daraus jedoch eine eigene Sprachlogik. Jedes Sprachelement packt es unbewusst in eigene Schubladen. Ab einem bestimmten Alter, meist spätestens während der Grundschulzeit, weiß das Kind, dass für die Kommunikation mit bestimmten Personen eine Sprachschublade aufmachen muss. Mit Papa spricht es nun bewusst Englisch. Wenn er Sprössling jedoch mit Mama unterwegs ist, wird nur die vietnamesische Schublade geöffnet.

Angeborene Sprachbegabung von Kindern

Bis zum Eintritt in die Schule können Kinder bis zu sechs Sprachen beherrschen. Das ist jedoch nur der Fall, wenn diese im eigenen Alltag gelebt werden. Eine wöchentliche Stunde Englischkurs oder Ähnlichem führt in keinem Fall zur Mehrsprachigkeit. Bilinguale Erziehung zielt schließlich auf den aktiven Sprachgebrauch ab. Das bedeutet, Kinder jeden Alters lernen verschiedene Sprachen nur, wenn alle Beteiligten mit allen Sinnen dabei sind. Schließlich funktioniert die menschliche Motivation auch nur, wenn eine klar definierte Motivation dahinter steckt.familie

Eltern können aufatmen

Im Endeffekt können sich multikulturelle Familien entspannt zurücklehnen. Einer speziellen Förderung bedarf es nicht. Ihre Kinder werden mit großer Sicherheit verschiedene Muttersprachen beherrschen. Sobald die elterlichen Sprachen einen wichtigen Teil des kindlichen Alltags ausmachen, probieren bereits Kleinkinder die verschiedenen Sprachklänge aus. Es ist empfehlenswert, dass Mama und Papa nur eine Sprache sprechen. Bilderbücher und kindgerechte Filme unterstützen dabei den Alltag. Zudem erweist es sich als praktisch, wenn die örtliche Landessprache auch zu Hause gesprochen wird und auch bei Spielplatzbesuchen verschiedene Sprachen zu hören sind. Einige Städte bieten in diesem Zusammenhang interkulturelle Krabbel- und Spielkreise an. Für Eltern bieten diese Treffen den Vorteil, dass sie mit Familien in ähnlichen Alltagssituationen begegnen und sich gegenseitig Tipps geben können.

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