» » Trauma im Kreissaal - Umgang mit traumatischen Geburtserfahrungen
Geburt 26. April 2018 0

Tipps & Ratschläge


Die Geburt eines Kindes wird von werdenden Eltern oft herbeigesehnt. Der natürliche Prozess wird gerade bei Erstgebärenden mit Ängsten vor Schmerzen, Hilflosigkeit und Fremdbestimmung in Verbindung gebracht. Geburtsvorbereitungskurse und eine Vielzahl von Ratgebern sollen schwangeren Frauen diese Befürchtungen nehmen und sie so gut wie möglich auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten. Viele Frauen fühlen sich nicht zuletzt wegen der medizinischen Betreuung im Krankenhaus gut aufgehoben und können so die Geburt trotz Schmerzen bewältigen. Doch welche Hilfen können Frauen in Anspruch nehmen, die die Geburt als schreckliches Ereignis, gar traumatisch, wahrnehmen? Gibt es Umgangsformen und Hilfen, um traumatische Geburtserfahrungen zu überwinden?

Trauma im Kreissaal

Vorbereitungen zur GeburtEine Geburt fordert von Mutter und Kind körperliche und seelische Höchstleistungen, die die meisten Frauen gut verkraften. Mit der Zeit verblassen dann auch die unschönen Erinnerungen an Schmerzen und Eingriffe Dritter unter der Geburt. Nicht umsonst berichten viele frischgebackene Mütter mit dem Satz „Wenn das Baby erst da ist, ist alles vergessen!“ von ihrer Geburt. Doch nicht selten ist eine Geburt für die Mutter ein traumatisches Ereignis. Auslöser hierfür können unterschiedlich sein. Bei einer Betroffenen ist es das Gefühl der Fremdbestimmung, wenn sie in Entscheidungsprozesse unter der Geburt nicht miteinbezogen wird.

Für eine andere Mutter ist es der medizinisch notwendige Kaiserschnitt oder das Nähen der Geburtsverletzungen. Typisch für Symptome einer Traumatisierung ist, dass das Erlebte auch längere Zeit später noch sehr präsent ist. Betroffene fühlen sich meist psychisch instabil, reagieren mit Rückzug, die Beziehung zum Neugeborenen und/oder die Partnerschaft leidet.
Doch was können betroffene Frauen und ihre Angehörigen tun, wenn der Verdacht besteht, dass die Geburtserfahrung ein Trauma nach sich zieht?

Hilfe bei traumatischer Geburt

Erste Hilfe können der Partner, die Hebamme, eine Freundin oder die eigene Mutter sein. In Extremfällen kann auch ein Psychologe Hilfe bieten. Wichtig bei traumatischen Erfahrungen, die für eine tiefe seelische Verletzung stehen, sind einfühlsame Gespräche, die das Erlebte weder bewerten noch bagatellisieren. Auch Hilfe im Haushalt und bei der Bewältigung des Alltags können als Unterstützung empfunden werden, wenn sie nicht aufgedrängt oder belehrend wirken.

SäuglingWichtig ist, dass betroffene Frauen sich selbst erlauben, traurig über das zu sein, was ihnen widerfahren ist. Menschen, die zuhören und den seelischen Schmerz verstehen können, sind in dieser Zeit eine große Hilfe. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen hilft, sich mit dem Erlebten und der empfundenen Nicht-Bewältigung nicht allein zu fühlen. Bei Erinnerungslücken kann es helfen, die Geburt mit Anwesenden nach zu besprechen. Doch Vorsicht: Dies sollte nur geschehen, wenn die Betroffene dies ausdrücklich wünscht.

Bei großer seelischer Belastung und länger anhaltenden Symptomen sollte unbedingt die Hilfe eines Traumatherapeuten hinzugezogen werden. Entsprechende Ansprechpartner in der Nähe kann eine gute Hebamme, der Gynäkologe oder die Internetseite der Ärzte- und Therapeutenvereinigung benennen.

Die Väter nicht vergessen

Auch für den anwesenden Vater kann eine Geburt traumatisch sein, obwohl seine Frau den Prozess als natürlich wahrnimmt. Die Hilflosigkeit, der geliebten Partnerin nicht ausreichend helfen zu können, kann unterschiedliche Gefühle wie Scham, Angst, Schuld oder Wut auslösen. Wichtig ist es, Väter ebenso ernst zu nehmen und mit ihnen das Erlebte aufzuarbeiten, auch wenn sie nicht direkt körperlich betroffen waren.

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