» » Wir haben ein Baby adoptiert - was nun?
familie und eltern 16. Februar 2016 0

Tipps & Ratschläge


Endlich ist es vorbei. Das Realisieren, keine eigenen Kinder bekommen zu können. Die Trauer und Verzweiflung. Der langwierige und nicht immer einfache Weg zur Adoption, mit so unsagbar groß wirkenden Hindernissen. Und letztendlich die schier endlos scheinende Zeit des Wartens. Endlich ist es vorbei. Nun ist er da, der große Tag! Heute adoptieren wir unser Baby! So beschreiben Adoptiveltern den Tag, an dem das fremde Kind ihr eigenes wird.

Wie könnt ihr nur!

Diesen Satz oder auch andere, vermeintlich gut gemeinte Kommentare bekommen Adoptiveltern zu hören. „Wie könnt ihr ein fremdes Kind aufnehmen?!“, „Ihr wisst doch gar nicht, wo es her kommt!“, „Wer weiß, was aus dem Kind mal wird!“. Solche Kommentare, auch wenn sie kindvielleicht nur der Sorge um die frisch gebackenen Eltern entspringen, tun weh. Und all die Ratschläge und Tipps vom Jugendamt, manchen helfen sie. Und manchen nicht. So schwer es anfangs auch sein mag, mit entrüsteten Kommentaren und komischen Blicken umzugehen, das Strahlen in den Kinderaugen und das glückliche Lachen ist es allemal wert. Und mit der Zeit wird es leichter und die Bemerkungen verstummen. Ein wirkliches „How to do“ in solchen Situationen gibt es nicht. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen. Und im Notfall hilft einfach nur eins, sich ein dickes Fell zulegen und sich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: Das Kind und die neu entstandene Familie.
Ein Kind zu lieben, welches man neun lange Monate unter dem Herzen getragen hat, ist vorbestimmt. Die Liebe für ein fremdes Kind entsteht erst nach der Adoption, doch ist sie nicht minder stark.

Das Kreuz mit der Wahrheit

So groß die Freude über den Nachwuchs und so glücklich das Leben nun ist, eine Frage taucht immer wieder auf: Muss ich es meinem Kind sagen, dass es adoptiert ist? Und wenn ja, wann ist der richtige Zeitpunkt?

babyEhrlich gesagt, ein Patentrezept hierfür gibt es ebenso wenig wie den richtigen Zeitpunkt. Doch zeigt die Realität immer wieder: Je früher, desto besser. Nichts ist schlimmer, als der Verlust des Grundvertrauens zu den Eltern. Und genau das passiert, erfährt das Kind von der Adoption lediglich per Zufall und/oder erst im Erwachsenenalter. Das ganze Leben eine Lüge, so wird dann empfunden und nicht selten zerbricht das bis dahin gute Verhältnis zwischen Eltern und Kind daran.
Die Angst, das geliebte Kind an die leiblichen Eltern zu verlieren, hindert viele daran, über die Adoption zu sprechen. Doch wann ist die Gefahr größer: Bei einem Leben mit der Lüge oder bei gelebter Ehrlichkeit?

Wie soll ihr Kind sie irgendwann mal sehen? Als Adoptiveltern, welche ihren Liebling belogen haben? Oder als Eltern, deren Liebe und Vertrauen so groß war, dass sie ihr Kind mit der Wahrheit aufwachsen ließen?

Die Frage

Natürlich ist es praktisch, sich nie mit der unangenehmen Frage nach der Herkunft auseinander setzen zu müssen. Aber ist es nicht schöner und zeugt es nicht von größerer Liebe, die Reise in die Vergangenheit mit dem Kind gemeinsam anzutreten? Früher oder später, die Frage wird kommen. Seien Sie ehrlich und gehen sie den Weg mit ihrem Adoptivkind zusammen.
Denn nur so wird Ihr Kind sie für immer als das sehen, was sie sind: Seine Eltern.

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